Geschichte des Hauses

Vor 1604

Im Jahr 1429 stand auf dem Grundstück ein dem Grafen von Nassau gehöriges Haus, das damals als Lehen an die Adligen von Rolshausen vergeben wurde. Vor 1476 tauschten die von Rolshausens das Anwesen gegen das in der Nähe befindliche Bauhaus "Unser lieben Frauen". Der Herborner Kirchenbaufonds benutzte das ertauschte Haus bis zur Reformationszeit als Bauhütte. Danach wurde es Wohnung des zweiten Kaplans.

Nach 1604

1604 verkaufte der Kirchenbau das alte Haus an einen Buchdruckergesellen und erwarb in Bicken von der dortigen Pfarrerswitwe ein anderes Fachwerkhaus. Das dort abgeschlagene Gebälk wurde gegen eine warme Mahlzeit von Pferdefuhrleuten nach Herborn transportiert und auf dem Bauplatz wieder aufgeschlagen.  Nach dem Wegfall der zweiten Kaplanstelle oder dritten Pfarrei verkaufte die Stadt 1699 das Haus an den Lehrer der fünften Klasse am Pädagog der Hohen Schule, Präzeptor Daniel Ludwig Reusch. Nach Reusch sind die beiden Stadtschreiber Johann Georg und Georg Philipp Lindner, Vater und Sohn und deren Erben Besitzer.  Stadtschreiber Geisweid ist um 1750 als Mieter nachweisbar.


Und später ...

1759 erscheint der Präzeptor an der Stadtschule Johann Keck als Eigentümer. 1765 kaufte der Hauptmann und spätere Oberstleutnant Henrich Amelius Rühle von Lilienstern das Anwesen. Seine beiden Söhne ererbten den Besitz, der letzte Rühle von Lilienstern, Johann Balthasar, Hauptmann a. D. starb 1853. Das 1604 errichtete Haus stand mit Giebel (Krüppelwalm wie das Nachbarhaus) zum Kirchplatz. Zur Zeit der Rühle von Liliensterns erhielt es einen westlichen Anbau, der die Front verbreiterte. Nachdem nachweislich weitere drei Besitzer das Haus zwischen 1856 bis 1883 bewohnten, gehörte das Haus von 1885 bis 1987 dem Gerber und Küster Georg Nies und seinen Nachfahren. Anschließend erwarben es der Bauunternehmer Pletka aus Herborn und anschließend die Beilsteiner Baunternehmer Günter und Martin Koob, die das Gebäude mit einer Kernsanierung vollständig modernisierten. Seit 2002 befindet sich das Gebäude im Eigentum von Matthias und Heike Bernhardt. Seither wurden alle Räume vollständig renoviert, neue Böden verlegt und neue Türen eingebaut. Die Fassade wurde zuletzt 2014 saniert, die Heizungsanlage in 2018 erneuert.

Quelle: Rüdiger Störkel, Stadtarchivar, Bau- und Besitzgeschichte von Haus Kirchberg 6, Herborn, Stadtarchiv Herborn, privat, 24.05.2004